Lokale Pressearbeit bei der Piratenpartei

by Jeger pixelio.de Der gelungene Einsteiger-Workshop zum Thema Pressemitteilungen von Maltis und Suddengrey im August in Neuss hat mich nochmal daran erinnert: da wollte ich ja mal ein paar Zeilen zu loswerden. Der Beitrag versteht sich nicht als Konkurrenz, sondern Ergänzung und Anregung zum Workshop beiden. Nochmals Danke an dieser Stelle von mir!

Das Hauptaugenmerk lege ich hier erst mal auf Pressemitteilungen. Auch wenn Pressearbeit deutlich darüberhinaus geht.

Wozu eigentliche lokale Pressemitteilungen?

Ganz nach dem etwas angestaubtem Motto „Think Globally, Act Locally“ sollten die Piraten vor Ort in der lokalen Presse präsent sein. Sei es das Lokalradio, die Lokalzeitung, die kostenlose Wochenzeitung oder die lokale „nur Online Zeitung“.

Piraten haben was zu sagen. Sei es, dass Sie interessante Vorträge anbieten, zu Ihrem Stammtisch einladen oder zu Themen die die Stadt bewegen Stellung beziehen und Flagge zeigen. Nirgends sonst kann man den politischen Standpunkt der Partei klarer herausstellen: auf den Punkt zu einem konkreten Anlass.

Dabei geht es nicht darum Journalisten einzunölen. Im Gegenteil. Richtig gemacht ist das eine Win-Win Situation. Die Redaktion bekommt im Idealfall ein Thema auf den Tisch, welches die Leser interessiert. Sie erhält neue Blickwinkel auf Fragestellungen oder kann interessante Leute im Interview vorstellen.

Und wie organisieren wir das?

Grundsätzlich ist das Sache der Piratenpartei vor Ort. Klar. Sinn und Zweck dieses Beitrags ist es ein paar praktische Tipps und Anregungen zu geben. Mehr nicht. Die meisten kommen aus der eigenen Praxis, der Pressearbeit hier in Aachen oder durch entsprechende Hilfe von Dritten. Das ganze versteht sich als “Gute Erfahrung damit gemacht”, nicht als “so und nicht anders”.

Wer sollte das dann tun?

Je nach Anzahl der vor Ort aktiven Piraten sollten es mindestens zwei, besser drei Leute machen. Ein guter Schreibstil und ein sicheres Auftreten bei Telefonkontakten oder Interviews schadet auch nicht. Die Menschen sollten das Vertrauen der lokalen Crews haben und basisdemokratisch legitimiert werden.

Manchmal muss es sehr schnell gehen. Eine Erwiderung, eine Stellungnahme die vier, fünf Tage hinterher hängt ist die Mühe nicht mehr wert. Daher sollte auch Zeit und / oder gute Erreichbarkeit tagsüber eingeplant werden. Vor allem wenn es mal wieder heißer wird. Zu Wahlkampfzeiten beispielsweise.

Interne Abstimmung und Erreichbarkeit

Offizielle Mitteilungen auf der eigenen Website oder Pressemitteilungen an Redaktionen sollten von mindestens zwei Piraten freigegeben werden. Das gemeinsame Erstellen von Pressemitteilungen kann man prima mit Etherpad bzw. Piratepad [1] via Internet erledigen. Es sollte möglichst immer ein Pirat für die Presse erreichbar sein. Vor allem wenn man aufgrund der aktuellen Nachrichtenlage mit Rückfragen oder Interviewanfragen rechnen muss.

Eine generische E-Mail Adresse mit Weiterleitungen an ein (Presse) Team sollte ohnehin Pflicht sein (Info AT Piratenpartei-XYTown.de). Optimal ist eine Weiterleitungsrufnummer, welche gleichzeitig auf die Telefone aller Presseleute durchklingelt. Wer dann rangeht “hat verloren” (-:

Und wie mache ich das ganz praktisch?

Presseverteiler

Ohne Presseverteiler kommt man mit der Pressemitteilung nicht sonderlich weit. Den sollte man ganz früh aufbauen. Dazu sollte man das Impressum der lokalen Medien studieren und dort auch ruhig anrufen, um zu erfahren wo eine lokale Pressemitteilung am Besten aufgehoben ist. Der Verteiler sollte aktuell sein. Später kommen ganz automatisch auch Journalisten auf diesen Verteiler, wenn man diese kennengelernt hat wird man oft sogar darum gebeten das zu tun. Ohne Einverständnis sollte man keine Einzelpersonen auf diesen Verteiler packen.

Worüber soll ich denn was schreiben?

Das Thema sollte einen echten Newswert haben. Einen neuen Standpunkt, eine neue Sichtweise auf ein aktuelles Thema. Der Veranstaltungstermin des nächsten Stammtischs macht sicher auch Sinn. Kündigt man noch eine (natürlich ernstgemeinte!) Bürgerfragestunde dazu an steht es evtl. nicht nur im Lokalkalender, sondern es macht sich vielleicht sogar ein Journalist beim nächsten Termin bemerkbar. Zumindest aber bekommt man schon mal eine extra Textkästenchen im Lokalteil auf Seite sechs.

Es sollte wirklich etwas sein, was Bürger und / oder Journalisten interessiert. Das nächste Crewtreffen ist das sicher nicht. Gründet man aber einen Arbeitskreis zu einem aktuellen, lokalen Thema dann sieht das vielleicht schon wieder anders aus. Bespricht man aktuelle Themen und bietet da Informationen, Frage- und Diskussionsmöglichkeiten an, dann mag das auch passen. Aber auch hier gilt: Qualität statt Quantität.

Es gibt keinen Anspruch auf Veröffentlichung! Das war wir zu sagen haben muss überzeugen. Wer zu oft belangloses durch den Verteiler jagt wird irgendwann nicht mehr lesen.

Was ich noch sehr wichtig finde: keine Konkurrenz zu Landes- oder Bundespresseteam und Themen. Es sollte ein wie auch immer gearteter lokaler Bezug vorhanden sein. Wer mehr hat sollte das bei dem jeweiligen Team einspeisen und sich dort mit beteiligen. Die freuen sich sicher auch, wenn man beispielsweise den Landespresseverteiler ergänzen kann.

Die Form einer Pressemitteilung

Klicken zum Vergrößern Das wichtigste steht immer ganz zu Anfang direkt hinter dem Titel der Pressemitteilung. Also ganz im Gegenteil zu einer gut erzählten Geschichte. Erst erklären wir im Kopf wer, warum, wann, wo, wie und womit der Mörder war. Der Kopf verschafft der Mitteilung Aufmerksamkeit. Es darf ruhig etwas pfiffig sein.

Danach erfährt man im Bauch wie es dazu kam. Je länger der Text wird, also je weiter wir “nach unten” kommen, desto weitschweifiger darf der Text werden. Das erlaubt es dem Journalisten, leichter den Text im Falle eines Falles von unten nach oben zu kürzen. Wenn er schon etwas streichen muss, dann bitte nicht das was am wichtigsten ist. Nicht das er das nicht erkennen würde, aber in der Praxis hat sich das “Abstreichen” von unten nach oben so festgesetzt. Wenn ein Artikel nur “angelesen” wird, müssen die absolut wichtigsten Sachen bereits aufgenommen worden sein. Das Muster links kann man anklicken. Ich habe das aus dem PDF zum Workshop von Maltis und Suddengrey “piratisiert”.

Im Bauch sollten auch Zitate von Menschen aus den eigenen Reihen vorkommen. Das kann ein Mitglied des Rates sein, jemand der in einem Arbeitskreis aktiv ist, jemand der Koordination macht oder sonst irgendwie besonders gut im Thema ist. Der Vorteil von Zitaten: es ist Usus das diese bei Verwendung nicht verändert werden. Selbst wenn die gesamte Mitteilung verworfen oder umgeschrieben wird. Beim Zitat darf es dann auch mal zur Sache gehen. Ganz anders als im normalen Text. Der sollte sachlich sein. Keine Ironie. Kein Sarkasmus.

Im Fuß des Textes packt man einen Standardfooter, der immer aktuell sein sollte. Also beispielsweise die Anzahl der lokalen Mitglieder, Ziele der Partei, lokale Wahlergebnisse, aktive Gremien und andere Fakten, die einen Redakteur interessieren könnten. Diese muss er dann nicht extra nachschlagen und die sind dann auch aktuell. Als Beispiel sei auf den Footer des Bundespresseteams verwiesen. Einfach “lokalisieren” (haben wir selber noch als offenen Punkt, daher kein lokales Beispiel :-).

Ein kompetenter, erreichbarer Ansprechpartner sollte dort ebenfalls stehen. Am Besten gleich mit Rufnummer. Dann hat der Redakteur gleich den richtigen Partner bei Rückfragen.

Texten

Das Texten sollte schon über dem Niveau von so manchem Forenbeitrag liegen. Es muss nicht druckreif und perfekt sein, aber es sollte schon Qualität erkennbar sein. Das beste Kompliment ist ein 1:1 Abdruck der Mitteilung. Tipps zum Texten und einiges mehr findet man unter [2], [3]

Bildmaterial

Optimalerweise liefert man auch Bildmaterial mit, welches perfekt zur Mitteilung passt. Das darf auch gerne mal etwas von Flickr sein. Aber nicht irgendwas generisches. Es muss passen. Am Besten eigene Bilder unter CC Lizenz. Dann sollte aber der Ersteller bekannt sein und eher ein Fotograf mit guten Basiswissen als ein Knipser sein.

Keinesfalls 3 MB Bilddaten anpappen! Besser sind Links auf die Bilder im Web. Zum Beispiel auf einen Flickr Account mit allen Bildern der lokalen Piratenpartei. Rechte genau abgeklärt mit angeben. Bei Zweifel hinsichtlich Bildrechten, lieber auf das Bild verzichten. Eine Mitteilung mit Bild hat eine höhere Wahrscheinlichkeit zur Veröffentlichung.

Den gesamten Text der Mitteilung sende ich in der Mail als plain Text. Das dürfte die leichteste Möglichkeit sein, diesen dann zu übernehmen und weiter zu verarbeiten. Wer mag hängt noch ein schick formatiertes PDF an die Mail. Wünscht die Redaktion lieber ein Fax, dann sollte man das berücksichtigen.

Und weiter?

Die Pressearbeit besteht nicht nur aus Pressemitteilungen. Wobei das lokal sicher schon einer der wichtigsten Punkte ist. Eine gute Website sollten auch lokale Piraten bieten. Aktuell, gepflegt und ansprechend. Ein eigener Bereich “Presse” mit allen wichtigen Infos für diesen Bereich sollte dort auch vorhanden sein.

Wenn ein wichtiges Thema durch den Lokalteil geht, ohne das man Gelegenheit zur Stellungnahme hatte reicht evtl. auch ein Leserbrief an den verantwortlichen Redakteur. Sachlich, höflich, fundiert und durchaus mit “Karl Meierlein, Piratenpartei, xy-Stadt”. Ich würde übrigens wo immer möglich “Piratenpartei” statt “Piraten” schreiben. Geschmackssache.

Viele Themen sind nicht wichtig genug diese gleich als PM zu bearbeiten. Aber ein Eintrag auf der eigenen Website kann immer noch passen.

Die lokale Presse sollte verfolgt werden. Optimal ist ein ePaper-Abo, wenn das angeboten wird. Zumindest aber die meist abgespeckten Online-Auftritte zu verfolgen ist Pflicht. Mit einem RSS-Reader verpasst man dort nichts. Gibt es evtl. Twitter-Accounts der lokalen Blätter? Folgen!

Gibt es lokale Piraten, die zu aktuellen Themen bloggen? Warum nicht wöchentlich einen “Blogwatch” Artikel auf die Website bringen. Die Artikel nennen und verlinken. Das steigert die Reichweite. Auch hier gilt: immer ein Auge auf die Qualität richten.

[1] Piratepad ein Kollaborationstool für das gemeinsame Verfassen von Texten via Webbrowser

[2] Besser Schreiben (PDF), Aurel Gergey

[3] Pressemitteilungen schreiben, Viola Falkenberg

Artikelbild by Jeger (Pixelio)

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    Über Fx

    Betriebswirt, Entwickler, Datenbankspezialist, Administrator und selbständiger Projektmanager. Für die Piratenpartei Aachen als Pressemensch, im Rat der Stadt Aachen und im Finanzausschuss aktiv. Bei den Texten handelt sich es immer um meine eigene Meinung und Einschätzung. Diese kann, muss aber nicht mit einer Parteimeinung übereinstimmen.